FRAGEN                                                                                                               copyright by doris bosshard, sternenberg  2009

Therapie? Ich bin doch nicht krank!

Eine Frau telefonierte: "Ich möchte gerne ins Malen kommen, aber ich habe also keinen Dachschaden!"

Therapie ist eine Möglichkeit, innere, persönliche Arbeit zu tun. Das kann grundsätzlich jeder Mensch leisten.

aus einem persönlichen Grund

suchen Sie professionelle Hilfe

 

Wie sieht ein Prozess aus?

Die folgenden Bilder entstanden während mehreren Monaten. Sie zeigen einen fast idealtypischen Prozess. Eine Person schafft es, aus dem Schneckenhaus hinaus zu treten (Anstrengung). Sie setzt sich mit den Fragen und Widersprüchen des Lebens auseinander (Verantwortung, Schuld, Glaube, Partnerschaft, berufliche Richtung). Das letzte Bild verdeutlicht eine bessere Verbundenheit: die Aussenwelt macht weniger Angst.

 

 

Grenzen, Wut Anstrengung Ohnmacht Schuld
Wut, Druck Begegnung Träume Schmerz verliebt      

Zweifel und Fragen               

 

zwei Kräfte (Tonkugel) Spannung ideal Geschenk  

besser verbunden, die Aussenwelt macht weniger Angst

 

Wie lange dauert eine Therapie?

Therapien dauern unterschiedlich lange. Manchmal erhält man relativ schnell einen Einblick in eine Situation und fühlt sich wieder im Fluss. Eine Begleitung durch eine Lebenskrise oder eine Unterstützung während einer schwierigen schulischen Phase hingegen benötigen ihre Zeit.  

 

Malen in Gruppen, begleitetes Malen:

 

Die Kunsttherapie ist eine junge Disziplin

GESCHICHTE

Die Kunsttherapie ist eine junge therapeutische und wissenschaftliche Disziplin, die ersten kunsttherapeutischen Ansätze entwickelten sich anfangs des 20. Jahrhunderts. Bildende Künstler wie Francisco de Goya, Edvard Munch, Frieda Kahlo haben sich mit ihren inneren Bildern und ihrem Bezug zur Wirklichkeit auseinandergesetzt. Produktion und Rezeption vermitteln einen Eindruck der Realität. Jean Dubuffet gründete 1947 in Paris die Compagnie de l`Art brut (Aussenseiterkunst). Die Würdigung des individuellen bildnerischen Ausdruckes von „Geisteskranken“, von Laien, Kindern und von Menschen aus sog. primitiven Kulturen beeinflussten alsdann verschiedene Kunstströmungen: André Breton, Begründer des Surrealismus (1924), betonte die Rolle des Unbewussten, der Traum als Quelle bildnerischen Schaffens. Jackson Pollock beschäftigte sich mit C.G. Jung und der indianischen Kultur; er entwickelte um 1946 das Action Painting. Joseph Beuys: „Kunst ist ja Therapie“, erweitert den Kunstbegriff, indem er Kunst mit der politischen, gesellschaftlichen und sozialen Realität in Verbindung brachte.

WISSENSCHAFT

Verbunden mit der Kunstwissenschaft, der Psychologie und der Pädagogik ist die Kunsttherapie überzeugt: die schöpferische Arbeit ist grundlegend für die Entwicklung des Menschen. Wissenschaftliche Grundlagen können die Psychoanalyse, die Humanistische Psychologie, die Verhaltenstherapie, anthropologische Erkenntniswissenschaften, die Systemische Therapie sein. In der Kunsttherapie sind auch lösungsorientierte Konzepte relevant: sie fragen  nicht nach den Ursachen der Krankheit, sondern nach den Ursachen der Gesundheit (salutogenetische Medizin). Die künstlerische Tätigkeit ermöglicht eine alternative Welterfahrung und zeigt somit neue Lösungsmöglichkeiten und Perspektiven auf, die durch einen einseitigen Blick auf das Problem verschlossen sind. Neu ist die Triade: KlientIn – TherapeutIn – künstlerisches Medium. Die Kunsttherapie erfasst den Menschen als psychisches, physisches und geistiges Wesen und wird als Einzel- und Gruppentherapie angeboten.

Anwendung findet die Kunsttherapie u.a. in Krankenhäusern, Schulen, Gefängnissen, Altersheimen, in freier Praxis. - Es gibt bereits einzelne Wirksamkeitsstudien aus dem klinischen Bereich.

METHODEN

-          Künstlerisches Gestalten kann seelische Konflikte aufzeigen, Bilder geben Anlass fürs Gespräch (vergl. Tiefenpsychologischer Ansatz).

-          Das kreative Tun steht im Vordergrund (vergl. Prozessorientierter Ansatz).

-          Die Wirkung des Mediums ist Ausgangspunkt (vegl. Rezeptiver Ansatz).

Einige Beispiele:

Zeichentests: u.a. Rorschach, Wartegg, Familienaufstellung mit Symbolen

Messpainting: spontanes Malen ohne auf Ergebnis/Leistung zu achten soll die Kreativität anregen

Ausdrucksmalerei: 1950 von Arno Stern als „sinnvolles Spiel“ entwickelt, malen in geschütztem Raum zugunsten des Prozesses, es gibt kein „schön“ oder „hässlich“ (vergl. Begleitetes Malen)

Formenzeichnen: stammt aus der Waldorfpädagogik, die Linie als Spur der Bewegung, rhythmische Gliederung zwischen den Polen des „Bindens“ und des „Ablösens“

Arbeit am Tonfeld: von Heinz Deuser, das Gestalten mit Ton, wenn möglich mit geschlossenen Augen, die Bewegung als gestaltende Kraft wirkt auf den Klienten und auf erworbene Handlungsmuster

Dialogisches Malen: nonverbal ein gemeinsames Bild gestalten, relevant sind soziale Interaktionen

Das Progressive Therapeutische Spiegelbild: nach Benedetti, ein nonverbaler Dialog zwischen TherapeutIn und KlientIn mithilfe von Transparentpapier

BERUFSBILD

In Europa ist die Kunsttherapie in der Gesundheitsversorgung unterschiedlich verankert:

In England ist der Beruf „Kunsttherapeut“ seit 1997 gesetzlich geregelt und staatlich registriert. In Deutschland und der Schweiz gibt es zwar kein einheitliches Berufsbild, doch ist die Ausbildung in Deutschland an Universitäten und Fach-/Hochschulen anerkannt, die Studiengänge schliessen mit einem Diplom, Bachelor oder Master ab. In der Schweiz schlossen sich 2002 die Fachverbände zu einem Dachverband (kskv/casat) zusammen, in naher Zukunft soll ein Abschluss einer Höheren Fachprüfung zur Erreichung der staatlichen Anerkennung möglich werden. Absolvieren Dipl. Kunsttherapeuten eine Ausbildung in medizinischem Basiswissen, sind sie von der Krankenkassen anerkannt und können über die Zusatzversicherung abrechnen.                                                                                                                                               Quelle: wikipedia

Die Maltherapie ist eine eigenständige Form der Kunsttherapie. EMR: „Malen als künstlerisches Ausdrucksmittel wird zur Diagnostik, Therapie und Vorbeugung eingesetzt. Das Malen eröffnet den Patienten neue Ausdrucksmöglichkeiten, trainiert die visuelle Wahrnehmung und fördert Konzentration und Kreativität. Auf diese Weise übt die schöpferische Tätigkeit einen heilenden Einfluss aus. Je nach Zielsetzung werden in der Maltherapie verschiedene künstlerische Techniken, Mittel und Instrumente eingesetzt. Dazu gehören zum Beispiel Maltechniken wie Mandala malen, Aquarellieren oder Schwarz-Weiss-Zeichnen. Anfangs wird der Therapeut dem Patienten Hilfestellung in Form von Vorgaben geben. Später sind besonders einfache Maltechniken dazu geeignet, Gefühle, Stimmungen und Gedanken auszudrücken.“  

 

home.htm